Stahnsdorf Ortsschild Stahnsdorf Kirche Stahnsdorf Kirche Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf Südwestkirchhof Stahnsdorf

Stahnsdorf


Mit den „Berliner Friedhöfen in Stahnsdorf“ wartet der Ort mit einem in Deutschland einzigartigen Denkmalensemble auf. Entstanden sind diese Anlagen Anfang des 20. Jahrhunderts, der Südwestkirchhof von Garteningenieur Louis Meyer 1909, der Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde von Architekt Hans Altmann 1914 und der Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf von Gartenarchitekt Erwin Barth 1921. Ihre Einrichtung außerhalb der Stadtgrenze hängt unmittelbar mit dem Werden der Reichshauptstadt Berlin zusammen.

Die Evangelische Kirche fand mit dem Südwestkirchhof eine Lösung für den sich damals abzeichnenden Notstand an Bestattungsfläche auf den historisch entstandenen Berliner Gemeindefriedhöfen. Wenig später waren auch die damals zum Kreis Teltow gehörenden selbstständigen Berliner Vororte Friedenau und Wilmersdorf aufgrund von Platzmangel gezwungen, Friedhofsflächen an der Peripherie zu schaffen.

Für den Südwestkirchhof stellte die Stahnsdorfer Terraingesellschaft 156 Hektar kostenlos zur Verfügung, sicherte sich allerdings für den angedachten Bau der „Friedhofsbahn“ sowohl die Einrichtung eines Haltepunktes in Dreilinden und die Möglichkeit einer Weiterführung der Strecke nach Stahnsdorf-Mitte zu. Die erste Beisetzung erfolgte 1909. Meyer hatte einen Waldfriedhof geschaffen, der Kirchhof und Landschaftspark in einem ist. Elisabeth Baronin von Ardenne, Fontanes „Effi Briest“, Breitscheid, Corinth, Humperdinck, Langenscheidt, Murnau, Siemens, Ullstein, Zille und viele andere herausragende Zeitgenossen fanden dort ihre letzte Ruhe. Für eine weitere Belegung sorgte Hitlers Generalbauinspektor Albert Speer, der 1938 für seine Nord-Süd-Achse Platz brauchte. Von den Schöneberger Friedhöfen St. Matthäus und Zwölf Apostel ließ er 13.000 Särge, Urnen, Gebeine, Grabmale und Mausoleen nach Stahnsdorf umsetzen.

Bevor vom Preußischen Landtag 1920 das „Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin“ mit der Eingliederung von Lichtenberg, Schöneberg, Wilmersdorf, Charlottenburg, Neukölln und Spandau zu Groß-Berlin beschlossen wurde, hatte das selbstständige Wilmersdorf einen „Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen in Stahnsdorf geplanten Friedhof“ ausgeschrieben. Dieser war dringend notwendig geworden. Zählte die Gemeinde 1871 noch 1700 Einwohner, waren es 1910 bereits 100.000 Einwohner.

Den Wettbewerb für die Gestaltung des siebzig Hektar großen Geländes gewann der Charlottenburger Gartendirektor Erwin Barth. Am 16. September 1921 fand die erste Beisetzung auf einem Friedhof statt, dessen Betreibergemeinde in Groß-Berlin aufgegangen war. Barth schuf tatsächlich eine Anlage, die „späterhin auch dann noch einen würdigen Eindruck macht, wenn sie nur in denkbar einfachster Form unterhalten wird oder zum Teil sich selbst überlassen ist“. Für die Überraschung sorgt zweifellos ein lang gezogenes Tal, das der Anlage etwas Unverwechselbares gibt. An dieser quer zur Achse liegenden Senke lässt Barth den Hauptweg aus „Zweckmäßigkeits- und Schönheitsgründen“ über eine verklinkerte Bogenbrücke verlaufen, durch die sich darunter ein schmaler Flanierweg schlängelt. Das alles wirkt natürlich und selbstverständlich. Der Gartenarchitekt hat einen Landschaftsraum geschaffen, in dem unter anderen der Schauspieler Hans Otto, der Publizist Arthur Eloesser, die Politiker Paul Levi und Ernst Heilmann, die Maler Hans Baluschek und Willi Jaeckel und Erwin Barth selbst ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Die Begräbnisplätze in Stahnsdorf verloren mit dem Mauerbau ihre Bindung zu den Kirchengemeinden im westlichen Teil der Stadt und zu den Stadtbezirken Wilmersdorf und Schöneberg. Über alle Grenzen hinweg erhielten die Beschäftigten auf den Wilmersdorfer Friedhöfen allerdings weiterhin ihre Gehälter vom Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin. In den Jahrzehnten der Teilung Deutschlands fielen die Stahnsdorfer Friedhöfe in eine Art Dornröschenschlaf. So kommt es, dass sich dort manches erhalten hat, was unter anderen Bedingungen längst verschwunden wäre. Dieses Friedhofsensemble ist ein Stück deutscher Kulturgeschichte, ein Denkmal der Gartenkunst, der Architektur, der Skulptur, ein Platz, an dem sich jene Geschichte fühlen lässt, die nach den Zerstörungen von Krieg, Wirtschaftswunder, Mauerstreifen, Sozialismus und Wiedervereinigung nicht mehr zu erfahren ist.