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Schenkenhorst


Schenkenhorst, das bis 1937 Schenkendorf hieß, wurde im Jahre 1375 als Schenkendorpp erstmals urkundlich erwähnt. Die Kirche dürfte etwa im 14. Jahrhundert entstanden sein. Sie ist wie in so vielen Orten des Landkreises heute der einzige Zeuge einer vielhundertjährigen Geschichte. Im Jahre 1450 werden die Herren von Beeren und Heinrich von Schlabrendorff als Besitzer aufgeführt. Die Schlabrendorffs verblieben bis 1663 im Besitz des Dorfes, das dann Hans Friedrich von Hake „aus der Kreditmasse erkaufte“. 1667 erwarb es der Große Kurfürst. Im 19. Jahrhundert ging das Vorwerk an den Königlichen Oberförster Kühne.

Nachdem Berlin 1871 Reichshauptstadt des Deutschen Reiches geworden war, dort bereits 826.341 Menschen lebten, stellte sich die Frage nach einer angemessenen Entsorgung der „kleinen und großen Geschäfte“, die meistens über Plumpsklos erledigt wurden. Das Abwasser floss aufgrund fehlender Kanalisation in Rinnsteine, Flüsse und Kanäle. So erwarb die Stadt Berlin im Jahre 1889 große Flächen von Sputendorf, Gütergotz (Güterfelde) und Schenkendorf, und nutzte die Gegend ab 1893 für die Abwasserentsorgung auf Rieselfeldern.

Nach Plänen von Stadtbaurat James Hobrecht wurden die Abwässer von Pumpwerken innerhalb des Stadtgebietes über Druckrohre zu Absetzbecken auf die Rieselfelder verbracht. Insgesamt standen im Berliner Umland letztendlich 14.364 Hektar Rieselflächen zur Verfügung. 144 Kilometer unterirdische Kanäle und 584 Kilometer Rohrleitungen waren bis dahin verlegt worden. Auf die Rieselfelder setzte sich der größte Teil der Sinkstoffe ab, der dann als „Düngemittel“ in der Landwirtschaft Verwendung fand. Das so „gereinigte“ Abwasser floss danach auf die Rieselstücke, so genannte „Tafeln“, die in einer Größe von ca. 0,25 Hektar ausgebildet und mit Wällen umgeben waren.

Im Jahr 1906 ließ die Stadt Wilmersdorf in Stahnsdorf ein Klärwerk errichteten. Angesichts der riesigen Abwassermengen konnte allerdings auf die Rieselfelder nicht verzichtet werden. Erst Ende der 1970er Jahre wurde die Aufgabe der Rieselfelder beschlossen. Das Klärwerk Stahnsdorf wurde erweitert. Da sich die Rieselfelder mehr und mehr zu einer „Altlast“ entwickelten, wurde die Berieselung 1998 eingestellt.

Geblieben sind die Berliner Stadtgüter mit 25.000 Hektar Fläche. Da Milchviehhaltung keine öffentliche Aufgabe des Landes Berlin darstellt, werden die Stadtgutflächen seit 2007 an neue Betriebsinhaber verpachtet. Bevor es dazu kommen konnte, musste das Bundesverwaltungsgericht entscheiden, dass die im Land Brandenburg liegenden Grundstücke rechtmäßiges Eigentum der Stadt Berlin sind. Weder die Aufteilung in vier Besatzungszonen nach 1945 noch die 1949 zum Volkseigentum erklärten Stadtgüter und auch nicht die Teilung der Stadt hätten deren Rechtseinheit als ursprünglicher Käufer beseitigt.

Rund um Schenkenhorst finden sich – gewissermaßen auch als technisches Denkmal – noch immer Rieselfelder in ihrem ursprünglichen Zustand, parzelliert, terrassiert und (hoffentlich) saniert. Die mit Eichen, Obstbäumen, Holunder und Buschwerk begrünten Dämme sind längst beliebte Wander- und Reitwege. Da aber seit Aufgabe der Rieselfelder der Grundwasserspiegel in der gesamten Gegend gesunken ist, gibt es inzwischen Überlegungen, die Rieselfelder wieder zu aktivieren – mit teilweise geklärtem Wasser aus den Klärwerken.