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Orte und Umgebung


Es ist noch nicht lange her, da gehörte Stahnsdorf mit seinen heutigen Ortsteilen Güterfelde, Schenkenhorst und Sputendorf neben Charlottenburg, Friedenau, Schöneberg, Rixdorf und Wilmersdorf zum Kreis Teltow. Dieser „bedeutendste“ Landstrich Preußens war nach dem Wiener Kongress entstanden und existierte von 1816 bis 1952. Nachdem Berlin 1871 zur Reichshauptstadt erklärt worden war, entwickelten sich einige dieser Gemeinden so stürmisch, dass sie zu eigenen Stadtkreisen erklärt wurden. Mit der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 verlor der Kreis Teltow weitere Gemeinden und Gutsbezirke. Zwischen Zehlendorf und Stahnsdorf wurde schließlich die Grenze zwischen Stadt und Land gezogen.

Der Name „Stanesdorp“ tauchte 1264 erstmals auf. Der Ort selbst wurde 1299 erwähnt, als Markgraf Otto IV. das „Germanicum und Slavicum Stanesdorp“ dem Bischof von Brandenburg übergab. Geblieben ist aus dieser Zeit die Feldsteinkirche auf dem Dorfanger. 1435 wurden die Güter Stahnsdorf, Machnow nebst Ländereien bis hin zum Wannsee den Brüdern Otto und Heinrich von Hake übereignet, die sich sogleich rund um eine bereits existierende Burg am Bäkeübergang niederließen. Das war ziemlich einträglich. Wer auf der Handelsstraße von Leipzig über Güterfelde und Stahnsdorf nach Spandau wollte, hatte Weg- und Brückenzoll zu entrichten.

Bis zur Vollendung des Gotteshauses in Machnow 1597 blieb die Stahnsdorfer Kirche Begräbnisstätte der Familie von Hake. Da sie auch danach Mutter- respektive Hauptkirche des Pfarrsprengels blieb, wurde dort das „Stahnsdorf-Machnower Kirchenbuch“ geführt. So kam es, dass Pfarrer Johann Gottlob Dreising mit dem „Fall Kleist“ konfrontiert wurde. Unter dem 2. Dezember 1811 notierte er:

„Am 21. November 1811 erschoss in der Klein-Machnower Haide nahe der Berliner Chaussee Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist die Ehefrau des Generalrendanten der kurmärkischen Landfeuersozietät und Landschaftsbuchhalters Herrn Friedrich Ludwig Vogel, Adolphine Sophie Henriette geborene Keber, alt 31 Jahr, und dann sich selbst in seinem 34. Jahre. Beide sind auf der Stelle, wo der Mord und der Selbstmord geschahen, in zwei Särge und in ein Grab gelegt worden. o tempora! o mores!“

Da zwölf Tage nach dem Geschehen wohl doch noch eine kirchliche Beerdigung mit „a. dem Prediger und b. dem Custos“ stattgefunden hatte, stellte Pfarrer Dreising die Rechnung – insgesamt „7 r. und 27 gr. Gebühren für das Beerdigen der Leichen“.

Einige Jahrzehnte später wurde Berlin Reichshauptstadt und Stahnsdorf zu einem klassischen Vorort der entstehenden Metropole. Bereits zwei Jahre nach Inbetriebnahme der „Linie 96“ von Groß-Lichterfelde nach Teltow wurde die Straßenbahntrasse 1891 nach Stahnsdorf und 1905 bis zur Machnower Schleuse verlängert. Es folgten die Eröffnung des Teltowkanals (1906), die drei Berliner Friedhöfe in Stahnsdorf, 1909 Südwestkirchhof, 1914 Waldfriedhof Friedenau, 1921 Wilmersdorfer Waldfriedhof, und die Aufnahme des S-Bahn-Verkehrs von Wannsee über Dreilinden nach Stahnsdorf-Friedhof am 3. Juni 1913. Wurden 1880 noch 610 Einwohner gezählt, so waren es 1919 bereits mehr als doppelt so viele. In den zwanziger und dreißiger Jahren wurden – wie in Kleinmachnow – große Flächen an Wald, Wiesen und Feldern für erschwingliche Siedlungszwecke veräußert. Zu Buche schlug auch, dass die alten Chausseen von Zehlendorf über Kleinmachnow nach Gütergotz und Schenkendorf sowie von Wannsee über Dreilinden nach Stahnsdorf bereits um die Jahrhundertwende ausgebaut worden waren.

Als im Jahr 1935 am Stahnsdorfer Damm in Kleinmachnow die „Dreilinden Maschinenbau GmbH“ als Tochtergesellschaft der Stuttgarter „Robert Bosch GmbH“ die Produktion von Einspritzpumpen, Anlasser, Entstörgeräte und Lichtmaschinen für Flugzeuge der deutschen Luftwaffe startete, wurde für die ständig wachsende Belegschaft in Stahnsdorf die „Robert Bosch-Siedlung“ mit 400 Wohnungen erbaut. Nicht weit davon entstanden zwischen 1935 und 1938 Kasernen mit den Namen Schlieffen, Sigsfeld und Ludendorff – Stahnsdorf war Garnisonsstandort mit Panzer-Division und Standort-Kommandantur geworden.

Mit dem Bau der Mauer am 13. August 1961 wurden die Verbindungen nach Berlin durchtrennt. Der Ort orientierte sich nun an Potsdam und Teltow. Eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft und das Gleichrichterwerk bestimmten nun das Geschehen.

Nach der Wiedervereinigung, vor allem aber nach dem „Hauptstadtbeschluss“ von 1991, favorisierte Stahnsdorf die Erschließung neuer Siedlungen mit Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern. So entstanden unter dem Slogan „Gartenstadt Stahnsdorf“ Wohngebiete unter den Namen Pfuhl Hufen, Waldviertel, Schülers Enden und Grashüpferviertel. Mit der Eingemeindung der Orte Güterfelde, Schenkenhorst und Sputendorf zur Gemeinde Stahnsdorf am 1. Januar 2002 beträgt die Gesamtfläche rund 49 Quadratkilometer. Waren es 1945 noch 6.685 Einwohner, so beherbergt die „sehr weitläufige Gemeinde mit stets verschiedenen, aber immer grünen Gesichtern“, heute mehr als 14.000 Einwohner.

In den Dorfkernen von Stahnsdorf, Güterfelde, Schenkenhorst und Sputendorf lässt sich dörfliches Leben aber noch erahnen, mitunter auch in jenen Wohnsiedlungen aus den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, da sie über Jahrzehnte hinweg organisch wachsen konnten. Das Musikerviertel sowie die Blumen- und Markhofsiedlung gehören ebenso dazu wie der alte Stahnsdorfer Dorfplatz.

In Güterfelde, erstmals 1258 als wendische Siedlung „Gütergotz“ erwähnt, besticht der aus dem 13. Jahrhundert stammende Feldsteinbau der Dorfkirche. Als der Geheime Rath August Friedrich Grothe 1804 Erbherr von Gütergotz wurde, beauftragte er den Baumeister David Gilly mit Entwurf und Bau eines Herrenhauses, das allerdings, wie auf der Ansicht aus der Sammlung Duncker ersichtlich, 1868 entscheidend verändert wurde, aber in seiner Grundstruktur noch heute existiert. Die Nationalsozialisten tilgten 1937 den wendischen Namen Gütergotz und machten daraus Güterfelde. Im Jahr 1938 wurde auch Schenkendorf in Schenkenhorst umbenannt, obwohl die Siedlung 1375 erstmals urkundlich als Schenkendorpp erwähnt wurde. In den folgenden Jahrhunderten wurden die Herren von Beeren, Heinrich von Schlabrendorff, Hans Friedrich von Hake, der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg und der Königliche Oberförster Kühne als Besitzer aufgeführt.

Eine Besonderheit in der Region sind die drei Berliner Friedhöfe in Stahnsdorf. Mit dem Südwestkirchhof der Berliner Stadtsynode, dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde und dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf verfügt der Ort über das bedeutendste Friedhofensemble Deutschlands.

Entstanden sind diese Anlagen Anfang des 20. Jahrhunderts, der Südwestkirchhof von Garteningenieur Louis Meyer 1909, der Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde von Architekt Hans Altmann 1914 und der Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf von Gartenarchitekt Erwin Barth 1921. Ihre Einrichtung außerhalb der Berliner Stadtgrenze hängt unmittelbar mit dem Werden der Reichshauptstadt Berlin zusammen. Die Evangelische Kirche fand mit dem Südwestkirchhof eine Lösung für den sich damals abzeichnenden Notstand an Bestattungsfläche auf den historisch entstandenen Berliner Gemeindefriedhöfen. Auch die selbstständigen Vororte Friedenau und Wilmersdorf waren aufgrund von Platzmangel seinerzeit gezwungen, Friedhofsflächen an der Peripherie zu schaffen. Hier lässt sich die Entwicklung der Friedhofsanlagen von der parkartigen Gestaltung im späten 19. Jahrhundert über Zwischenformen bis hin zu geometrischen Grundrissen nachvollziehen.

Eine Besonderheit in der Region sind die sogenannten Rieselfelder. Mit dem Anstieg der Bevölkerungszahl in Berlin auf nahezu eine Million Menschen, stellte sich die Frage nach einer angemessenen Entsorgung der „kleinen und großen Geschäfte“, die bis dahin meistens über Plumpsklos erledigt wurden, sowie des Abwassers, das aufgrund fehlender Kanalisation in Rinnsteine, Flüsse und Kanäle floss. So erwarb die Stadt Berlin 1889 Flächen in Sputendorf und Schenkendorf, und nutzte die Gegend ab 1893 nach Plänen des preußischen Stadtplaners James Hobrecht für die Entsorgung auf Rieselfeldern. Von Pumpwerken innerhalb des Stadtgebietes wurden die Abwässer über Druckrohre zu Absetzbecken auf den Rieselfeldern verbracht, in denen sich der größte Teil der Sinkstoffe absetzte, die dann als „Düngemittel“ in der Landwirtschaft Verwendung fanden. Das „gereinigte“ Abwasser floss danach auf die Rieselfeldstücke, die in einer Größe von etwa 0,25 Hektar ausgebildet und mit Wällen umgeben waren. Da sich die Rieselfelder zu einer „Altlast“ entwickelten, wurde die Berieselung 1998 eingestellt. Es kamen die Klärwerke. Rund um das 1299 erstmals als „Sputelendorf“ erwähnte Sputendorf finden sich – nun unbelastet und zum technischen Denkmal erhoben – noch immer außer Betrieb gesetzte Rieselfelder in ihrem ursprünglichen Zustand, parzelliert und terrassiert, dazu Dämme mit Eichen, Wege mit Obstbäumen und Gräben mit Holunder begrünt - eigenwillig und doch idyllisch. Eine Entdeckung am Berliner Stadtrand.